Linux-Einsteiger-Kurs – Teil 2 (Debian Grundinstallation)
Gestern habe ich über meine Absichten und ein paar erste Infos zum Kurs geschrieben.
Du solltest inzwischen das ISO-File zur Installation bereit haben. Falls nicht, dann lade die ca. 180 MB runter.
Ich gehe bei der virtuellen Installation von VMware Fusion aus, da ich es auf meinem Mac installiert habe. Wie gestern beschrieben, gibt es hier für Dein jeweiliges Betriebssystem mehrere Programme zu Auswahl.
Virtuelle Maschine einrichten
Starte Deine Virtualisierungslösung und lege dort eine neue virtuelle Maschine an. Bei VMware Fusion, geht dies über Ablage/Neu
Kein physikalisches CDROM auswählen, sondern die Debian-ISO.
Falls Debian nicht als Gast-System zur Auswahl steht, bitte Ubuntu auswählen. Alternativ etwas wählen, wie “sonstiges Linux / 32 Bit”. Ich gehe beim Kurs immer von einem 32 Bit Debian aus, falls Du dennoch 64 geladen hast und installieren möchtest, dann entsprechend 64 Bit auswählen.
Die Werte, wie Arbeitsspeicher und CPU sind für unsere Zwecke derzeit nicht relevant und können auch jederzeit geändert werden. 512 MB RAM sind derzeit mehr als ausreichend. Hier kannst Du auch gerne viel weniger (256 MB) nehmen. Wie viel Platz die VM auf der Festplatte bekommt ist derzeit auch nicht so wichtig. Ich habe den Standard von 20 GB genommen. Hier kann auch gerne 5 GB genommen werden. VMware Fusion und auch Workstation legen die virtuellen Platten nur in der Größe an, wie sie gebraucht werden. Somit kann hier also gerne auch 20 GB genommen werden. Wir werden unser Debian mit LVM installieren. Damit ist es möglich, später den Speicherplatz leicht zu erweitern.
Wichtig ist am Ende, nochmals in die Einstellungen zu gehen, da wir an der Netzwerkeinstellung noch Änderungen durchführen möchten. Beim speichern, noch einen passenden Namen für Deine Debian-VM eingeben. Ich habe hier einfach “Debian” genommen.

In den Netzwerkeinstellungen gibt es meistens die Möglichkeit NAT oder Bridged zu wählen. Bei NAT versteckt sich das Gast-System hinter der IP-Adresse Deines Rechners. Bei Bridged läuft das Netzwerk eigenständig. Wir verwenden Bridged, da wir hier mehr Möglichkeiten haben, mit unserer VM zu kommunizieren.
So sehen meine persönlichen Einstellungen aus. Da wir weniger mit Desktop und Multimedia arbeiten werden, können Drucker, Audio und co. auch entfernt werden. Sie stören aber auch nicht.
Nun ist unsere virtuelle Maschine eingerichtet und fertig für den Start.
Debian Grundinstallation
Der Bootloader
Nach Start der virtuellen Maschine sollte sich der Debian-Bootloader melden.
Wichtig: Nicht einfach bestätigen, sondern Help auswählen.
Wird bei Debian eine Standard-Installation (also einfach Bestätigen beim Bootloader) gewählt, dann wird bei der Netzwerkkonfiguration automatisch DHCP eingerichtet.
Da wir eine statische IP-Adresse vergeben möchten, geben wir nach Auswahl des Menüpunktes HELP, folgende Zeile ein:
install netcfg/disable_dhcp=true
Tipp: Bei der Eingabe hast Du keine deutsche Tastatur.
Nach der Bestätigung der Zeile wird der Debian-Installer gestartet.
Spracheinstellungen
Die erste Frage bei der Installation ist die Sprache. Diese gilt für die Zeit der Installation und vor allem auch später als Standard-Sprache des Systems.
Ich empfehle hier "English" auszuwählen, damit später Fehlermeldungen bzw. Meldungen im allgemeinen leichter über Google recherchiert werden können. Du kannst aber gerne auch Deine bevorzugte Sprache auswählen.
Nun muss noch Dein Standort und die gewünschte Tastatur eingerichtet werden. Dazu gehst Du zuerst auf "other", dann auf "Europe" und am anschließend noch auf "Germany". Mit diesen Einstellungen hast Du der Installation mitgeteilt, dass Dein Rechner in Deutschland steht. Dies wird u.a. für die richtige Uhrzeit benötigt.
Im nächsten Dialog kannst Du die Tastatur auf "German" einstellen. Die Tastatureinstellung wird später für die Console benötigt. Also immer dann, wenn Du direkt (ohne Fernwartung) etwas eingibst. Für Verbindungen über SSH ist diese Einstellung nicht zuständig.
Netzwerkeinstellungen
Da wir bereits beim Start angegeben hatten, kein DHCP zu verwenden, fragt uns der Dedian-Installer nun nach IP-Adressen. Falls etwas bei der Deaktivierung von DHCP schief gelaufen ist, würde nur eine Meldung erscheinen, dass über DHCP die IP-Adresse eingerichtet wird.
Falls Debian keinen DHCP-Server findet, würde auch wieder nach den Netzwerkadressen gefragt werden. Falls also die Option mal nicht eingegeben werden kann, einfach das Netzwerk zuvor trennen, dann fragt Debian nach einer statischen Adresse. Alternativ kann die Einstellung auch nach der Installation verändert werden.
Nun also die gewünschte IP-Adresse für unsere Debian-Installation eingeben. Diese sollte aus Deinem lokalen Netzwerk sein, damit wir zwischen Deinem Rechner und Debian eine Kommunikation aufbauen können.
Tipp: Falls Deine Virtualisierungssoftware nur NAT kann (also sich nur hinter der IP Deines Rechners verstecken kann), dann am Anfang einfach die Deaktivierung von DHCP nicht eingeben.
In meinem Fall ist die IP 192.168.178.11. Hier bitte eine IP aus Deinem Netz eingeben. Diese sollte natürlich frei sein und nicht in einem evtl. vorhandenem DHCP-Bereich Deines Routers liegen.
Nachfolgend muss noch die Netmask eingeben werden. Diese sollte meisten 255.255.255.0 sein.
Bei Gateway muss die IP zu Deinem Router eingeben werden, also wie Dein Linux ins Internet kommt. Bei mir ist das die 192.168.178.1.
Im Normalfall sollte die DNS-Adresse bzw. der Namenserver die gleiche IP haben, wie Dein Standard-Gateway. Bei mir 192.168.178.1. Bei Unklarheit kannst Du auch 80.244.244.244 oder einen anderen Dir bekannten DNS-Server verwenden, damit überhaupt eine Namensauflösung funktioniert.
Tipp: Falls Du Probleme hast, die richtigen Adressen herauszufinden, dann schau einfach in den lokalen Einstellungen Deines PCs oder Macs nach. Bei Windows geht das, durch Eingabe von ipconfig /all in der Command-Shell oder beim Mac über den System-Profiler (befindet sich in den Dienstprogrammen).
Nun brauchen wir noch einen Namen. Ich habe hier einfach als Namen Debian genommen.
Dann muss noch der Name der lokalen Domain eingegeben werden. Hier wird es bei Dir evtl. noch nichts geben. Deshalb kannst Du Dir eine Domäne ausdenken.
Ein Beispiel könnte hier sein “familienname.local” oder “irgendwas.lan”. Wichtig ist, keine Sonderzeichen zu verwenden und vor allem keine bekannte Domain aus dem Internet. Dadurch würde es später Probleme auf den Zugriff dieser externen Domain geben.
Bei mir gibt es bereits eine lokale Domain und deshalb habe ich hier schimana.lan eingeben.
Partitionierung
Nun kommt an sich der wichtigste Teil der Installation. Bei der Partitionierung eines Linux-System gibt es ganz andere Möglichkeiten als bei Windows. Deshalb ist dies der Bereich, wo die meisten Fragen entstehen.
Damit wir schnell zu einem Erfolgserlebnis kommen, werden wir zwar eine gehobene Art der Partitionierung verwenden, diese aber nicht manuell verändern. Später werde ich noch genauer auf die Möglichkeiten eingeben. Derzeit macht es keinen Sinn, sich zu viel Gedanken darüber zu machen, da unsere Installation nicht produktiv eingesetzt werden wird.
Wir wählen deshalb Guided - use entire disk ans set up LVM.
Was LVM ist, werde ich in einem späteren Beitrag genauer beschreiben und vor allem, was man damit alles tollen machen kann. Bis dahin kannst Du bei Interesse in Wikipedia über den Logical Volume Manager nachlesen.
Wir wählen im nächsten Dialog die Option Separate /home, /usr, /var, and /tmp partitions aus. Durch LVM und dieser Option wird es nicht ein großes Dateisystem geben, sondern mehrere. Das ist vergleichbar damit, als wäre bei Windows möglich unterhalb von C: einzelne Verzeichnisse auf eigene Platten zu legen und diese gesondert mit zusätzlichen Plattenplatz zu erweitern. Vielleicht ist dies noch am ehesten mit den dynamischen Disks oder DFS zu vergleichen.
Nun muss mehrfach bestätigt werden, dass die Daten wirklich geschrieben werden und die Platte gelöscht wird.
Nun kopiert Debian die Daten auf die Platte, was je nach Rechner (durch die Virtualisierung) etwas dauern kann.
Einrichtung der Benutzer
Nach dem Kopieren der Daten muss noch das Kennwort für den Benutzer root eingetippt werden. Root ist vergleichbar mit dem Benutzer Administrator unter Windows. Das Kennwort wird nicht angezeigt und muss nach der ersten Eingabe und Bestätigung nochmals eingegeben werden.
Danach wird nach dem Namen eines Benutzers gefragt. Hier wird also nicht der Accountname abgefragt, sondern der volle Name. In meinem Fall habe ich hier Tom Schimana eingetragen.
Erst jetzt wird nach dem Accountnamen gefragt. Ich habe mich hier für tom entschieden.
Mit diesem Benutzer wird hauptsächlich gearbeitet und vor allem für Remote-Verbindungen benutzt. Bei Linux sollte man den Benutzer Root nicht für das Tagesgeschäft verwenden.
Dann, wie schon bei root, das Kennwort doppelt eintragen.
Der Paketmanager
Debian hat einen Paketmanager. Dies könnte man sich so vorstellen, als wenn unter Windows die Programme Winzip, Winamp und co. über eine zentrale Datenbank suchen, installieren und updaten könnte.
Speziell bei unserer Netzwerkinstallation, die selbst nur die wichtigsten Daten auf die Platte kopiert, ist der Packetmanager sehr wichtig. Alternativ gibt es Debian auch auf einer DVD. Dort wird dann für die Installation, egal in welcher Ausbaustufe, kein Internetzugang benötigt. Ich persönlich installiere immer alles über das hier benutzte ISO-Image. Denn spätestens beim ersten Update (sozusagen Servicepack), muss eh wieder alles aus dem Internet gezogen werden.
Zuerst wird das Land angegeben, wo der Download stattfinden soll, um den passenden Mirror-Server auszusuchen. Im Normalfall als Germany.
Dann kann man direkt den Mirror aussuchen. Bei mir ist das aus Gewohnheit ftp.de.debian.org. Anschließend wird noch gefragt, ob man hinter einem Proxy ist. Falls nicht, dann einfach bestätigen, wovon ich in unserem Beispiel auch ausgehe.
Jetzt wird der Paketmanager eingerichtet, was einen Augenblick dauern kann.
Du kannst angeben, ob Du Statistiken zurückschicken willst, damit die Leute hinter Debian besser verstehen, was an Software verwendet wird.
In unserer Testinstallation habe ich hier den Standardwert No einfach bestätigt.
Jetzt kommt wohl eines der wichtigsten Dialoge für unsere Installation. Als Standard ist hier immer Desktop enviroment und Standard system ausgewählt.
Wichtig: Bitte keines der Optionen auswählen und dann auf Continue gehen.
Nur so, haben wir eine Minimal-Installation. Diese für wichtig, um selbst das System so aufzubauen und damit zu lernen.
Diese Meldung wird einen Linux-Einsteiger nun wirklich verwirren. Klicke einfach auf Yes. Ich werde später genauer auf den Boot-Loader eingeben.
Das System ist nun installiert. Bei VMware muss die ISO nicht entfernt werden, da die Boot-Folge zuerst auf die Festplatte geht und dann auf das CDROM. Ist dies bei Dir anders, dann bitte die CD bzw. die ISO entfernen und dann mit Continue bestätigen.
Der erste Start
Nun ist die Installation abgeschlossen und das System führt einen Neustart aus. Lass Deine Installation ruhig starten. Damit kannst Du gleich sehen, ob das System überhaupt startet. Falls Du Probleme mit der Installation oder Fragen dazu hast, einfach ein Kommentar unter dem Beitrag schreiben.
Nun haben wir eine Grundinstallation von Debian. Im nächsten Beitrag fangen wir an und umzusehen und die ersten Befehle anzuwenden.
Ach so. Den ersten lernen wir gleich, damit Du Dein Linux auch sauber wieder herunterfahren kannst.
Dazu gibst Du bei “Login:” root als Benutzer ein und dann Dein Kennwort, was Du bei der Installation für den Benutzer root vergeben hast.
Um nun das Debian Linux herunterzufahren und den virtuellen PC auszuschalten gibt den Befehl halt ein:
halt
Fragen?
Bei Fragen oder Hinweisen auf Fehler bitte die Kommentarfunktion verwenden. Bei der Menge von Text, kann sich leicht der eine oder andere Fehler eingeschlichen haben. Ich werde keine Fragen über Mail oder meinem Kontaktformular beantworten. Dies mache ich deshalb, damit andere Besucher von Deinen Fragen auch was lernen können. Wichtig dabei: Es gibt keine dumme Fragen, nur dumme Antworten!
Eine Übersicht der Kursinhalte findest Du hier. Im dritten Teil machen wir einen ersten Einstieg in Linux.
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[...] nächsten Beitrag legen wir dann mit der Installation [...]